Schreiben

Schreiben ist wie Wildwasserfahren – Teil 1: Der Einstieg vor dem Einstieg

Ich habe zwei Leidenschaften. Die eine ist das Schreiben und die andere das Wildwasserfahren. Und von meiner Erfahrung in beidem möchte ich Sie profitieren lassen. Damit Sie verstehen, was ich meine, vorab noch ein kurze Erklärng. 

Die eine Leidenschaft, das Schreiben, habe ich zu meinem Beruf gemacht, die andere ist mein Hobby. Das eine gegen das andere tauschen wäre kein gute Idee, denn ich kann deutlich besser schreiben als Kajak fahren. Das tut meiner Leidenschaft jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Es schürt den Ehrgeiz.

Meine Wildwasserkünste sind deshalb inzwischen auch weit genug gediehen, um die Feinheiten dieser Sportart zu kennen – und erstaunliche Parallelen zwischen den beiden Leidenschaften festzustellen. Und ich habe gemerkt, dass ich viele Strategien, die ich für diesen herausfordernden Sport entwickelt habe, auch auf das Schreiben anwenden kann – mit gutem Erfolg.

Ein paar von diesen Strategien möchte ich Ihnen in diesem und in einigen folgenden Blogs verraten. Wenn Sie wollen, stürzen Sie sich mit mir in die reißenden Fluten. Und am besten so, dass wir beide trocken bleiben.

Halt, halt, halt

Nehmen Sie meine Aufforderung nicht so wörtlich, denn das mit dem Hineinstürzen ohne Vorbereitung ist keine gute Idee. Dass ist eher die Garantie dafür, dass wir schon kurz nach dem Einstieg kentern und ordentlich nass werden. Deshalb sollten Sie das weder beim Kajakfahren noch beim Schreiben tun: ohne Vorbereitung, quasi aus dem Stand und so wie Sie sind, einsteigen.

Zu Ihrer Vorbereitung gehört zum Beispiel, dass Sie wissen, wo Sie hinwollen. Was wollen Sie mit Ihrem Text erreichen? Und wen Sie ansprechen wollen? Sie brauchen unter anderem eine klare Vorstellung, ob Sie Ihren Leser aufrütteln, beruhigen oder anleiten wollen. 

Sie sollten auch wissen, wo Sie Ihren Leser abholen und wo Sie ihn hinbringen wollen. Damit ermitteln Sie nicht nur, mit welchem Gedanken oder Stichwort Sie anfangen und welche Botschaft Ihr Leser am Ende verstanden haben soll, also das WAS. Sie legen mit diesem Wissen auch das WIE fest: sprachliche Mittel, Leseransprache und Textelemente. Schreiben Sie ohne Rücksicht auf Ihren Leser einfach drauf los, brauchen Sie sich nicht wundern, wenn er nicht mitkommen mag.

Und wo ist da die Parallele zum Wildwasserfahren? Da ist die Richtung doch eh klar: Das Ziel liegt immer talwärts … 

I oder V?

Stimmt. Doch das heißt nicht, dass wir Kajaker uns blind in jeden Fluss stürzen, der zufällig vorbeifließt.

Wir wählen schon lange vorab, welchen Fluss wir überhaupt befahren möchten. Und auch welchen Abschnitt. Die Schwierigkeiten variieren nämlich erheblich: Ist es ein Bachstück der Wildwasser-Kategorie I, plätschert das Wasser moderat dahin. Ist es dagegen ein WW-IV-Gewässer, werden auch die Experten schon leicht nervös. WW-V ist nur noch mit maximalem Können plus maximaler Konzentration fahrbar. 

Dazu kommen noch Erwägungen wie aktueller Wasserstand, bekannte Hindernisse oder auch die Tageszeit.

Je nachdem, was uns erwartet, wählen wir unsere Ausrüstung: Reicht der Neopren-Shorty und der Wander-Helm oder muss es der Trockenanzug und der Voll-Visier-Helm sein? Welches ist das richtige Boot für die Befahrung? Das Spielboot, der River-Runner oder der Creeker? Reicht der Wurfsack als Safety-Ausrüstung oder packen wir die Umlenkrolle ein, um ein Boot gegebenenfalls aus einer Verklemmung zu bergen?

Je besser wir vorbereitet sind, desto weniger böse Überraschungen erwarten uns. So sichern Kajakfahrer ihre erfolgreiche Flussbefahrung. 

Das gleiche gilt für die Vorbereitung des Schreibens: erst überlegen, was Sie wollen, danach überlegen, was Sie dafür brauchen. Und dann erst starten.

Trocken bleiben

Sie sehen: Die ersten Ähnlichkeiten zwischen Schreiben und Wildwasserfahren begegnen Ihnen schon vor dem Start. Probieren Sie diese Strategie aus: Bereiten Sie sich akribisch vor, bevor Sie sich an einen Text machen. Sie erhöhen die Chancen, dass Sie ohne Kenterung trocken durchkommen, ungemein.

Im nächsten Teil dieser Blogserie lesen Sie übrigens, wie Sie entspannter in Ihren Schreibprozess starten – dank Wildwasser-Strategien.